Polizei : Newsletter Nr. 122, September 2009

 1)   Einstellungswandel von Polizeianwärtern
 2)   Zusammenhang zwischen Schusswaffenbesitz und psychischen Erkrankungen
 3)   Website über die Berliner „Gruppe 47“
 4)   Protokoll über die Zusammenarbeit zwischen Staatsregierungen und Terroristen 1977
 5)   Negative Einflüsse hoher Gefangenenpopulationen auf die öffentliche Sicherheit
 6)   Blog über Polizeiarbeit
 7)   Polizeiliche Reaktionen auf Gewalt in (Fußball-)Stadien
 8)   Alternativen zur Zero-Tolerance-Politik gegenüber Marihuana-Konsumenten
 9)   Afghanistan-Report 2009
10)  Täter-Opfer-Identität bei Gewaltdelikten
11)  Dokumentenplattform Scribd
12)  Wohnsituation von Migranten in Deutschland
13)  Zum Einsatz von Beschwerdekommissionen oder Ombudsmännern in der Polizei
14)  Forschungsbereich „Policing Islam“
15)  Teaching Tip: E-Learning Crossing Boarders. Policing (all around) the World
16)  Buchbesprechungen
 
1) Einstellungswandel von Polizeianwärtern
Eine kanadische Studie beschäftigt sich mit dem Einstellungswandel von Polizeianwärtern. Die Hauptgründe, warum die Probanden (N=316) den Polizeiberuf wählten, veränderten sich innerhalb des dreijährigen Untersuchungszeitraumes nicht. Indem jedoch die idealisierten Vorstellungen der Berufsanfänger auf die Eindrücke der Realität trafen, entstand zum Teil das Gefühl von Enttäuschung. Untersucht wurden auch die Moralvorstellungen der Polizistinnen und Polizisten. Diese veränderten sich bereits zu Beginn der Karriere, was die Forscher auf die Organisation der Ausbildung zurückführen. Quelle: Alain, M., Gregoire, M. (2008), Can ethics survive the shock of the job? Quebec's police recruits confront reality, in: Policing & Society 18 (2), 169-189. http://www.ingentaconnect.com/content/routledg/gpas/2008/00000018/00000002/art00005
 
 
2) Zusammenhang zwischen Schusswaffenbesitz und psychischen Erkrankungen
Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass sowohl psychische Erkrankungen als auch der Besitz von Schusswaffen das Suizidrisiko der betreffenden Person erhöhen. Forscher gingen daher der Frage nach, ob sich auch unter Schusswaffenbesitzern vermehrt Personen befinden, die unter psychischen Auffälligkeiten leiden. Ein Zusammenhang zwischen beiden Faktoren konnte jedoch nicht festgestellt werden, weshalb davon auszugehen ist, dass das erhöhte Suizidrisiko von Waffenbesitzer nicht auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist. Der Forschungsbericht enthält darüber hinaus Anregungen für Präventionsarbeiten. Quelle: Sorenson, S.B., Vittes, K.A. (2008), Mental Health and Firearms in Community-based Surveys: Implications for Suicide Prevention, in: Evaluation Review, 32 (3), 239-256. http://erx.sagepub.com/cgi/content/abstract/32/3/239
 
 
3) Website über die Berliner „Gruppe 47“
Anlässlich des 40jährigen Gründungsjubiläums der „Gruppe 47“ innerhalb der Berliner Polizei wurde die Website http://www.diskkdo-berlin.de/ ins Leben gerufen. Die „Gruppe 47“ sollte in den 1968er Jahren als „Diskussionskommando“ für Deeskalation zwischen Polizei und West-Berliner APO zu sorgen. Zu welchen Spannungen innerhalb der Polizei es dadurch kam und wie die Polizeiarbeit durch die „Gruppe 47“ beeinflusst wurde, erläutert die Website auf anschauliche Weise.
 
 
4) Protokoll über die Zusammenarbeit zwischen Staatsregierungen und Terroristen 1977
Das „Wischnewski-Protokoll“ gibt Auskunft über den Wortlaut des 1977 stattgefundenen Treffens zwischen dem österreichischen Bundeskanzler, einem Vertreter der deutschen Bundesregierung und zweier PLO-Terroristen. Dieser Beleg informeller Zusammenarbeit zwischen Staatsregierungen und Terroristen ist Gegenstand eines Aufsatzes, der unter http://www.atypon-link.com/OLD/doi/pdf/10.1524/vfzg.2009.0041 im Volltext zur Verfügung steht. Quelle: Dahlke, Matthias (2009), Das Wischnewski-Protokoll. Zur Zusammenarbeit zwischen westeuropäischen Regierungen und transnationalen Terroristen 1977, in: Vierteljahreshefte zur Zeitgeschichte 57 (2), 201-215.
 
 
5) Negative Einflüsse hoher Gefangenenpopulationen auf die öffentliche Sicherheit
In einer Metastudie wurden verschiedene Untersuchungen zu den Einflüssen hoher Gefangenenpopulationen auf das Gemeinwesen miteinander verglichen. Demnach besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine hohe Gefangenenrate durch ihren Einfluss auf soziale Netzwerke, Familien und Kinder auch kriminogene Auswirkungen hat und somit die öffentliche Sicherheit beeinflussen kann. Quelle: Clear, T.R. (2008), The effects of high imprisonment rates on communities, in: Tonry, M. (Hrsg.), Crime and justice: A review of research, Chicago 2008, S. 97-132.
 
 
6) Blog über Polizeiarbeit
Unter http://www.policeissues.com/ bloggt ein ehemaliger special agent und Supervisor über polizeirelevante Themen. Die Bandbreite reicht von Beiträgen über die Polizeiausbildung bis hin zu Berichten über Fehlurteile und ihr Zustandekommen. Ein Newsletter und ein RSS-Feed informieren regelmäßig über relevante Meldungen. Ziel ist es, Praktiker, Wissenschaftler und Studierende zum Austausch über das Strafverfolgungssystem und kriminalpolitische Themen anzuregen.
 
 
7) Polizeiliche Reaktionen auf Gewalt in (Fußball-)Stadien
Ein aktueller Leitfaden bietet Anregungen zum Umgang mit Gewalt im Zusammenhang mit Massenveranstaltungen. Zunächst werden gewaltauslösende Faktoren dargestellt, um dann mit Hilfe eines Fragenkataloges die spezifischen Probleme vor Ort zu analysieren. Schließlich werden mögliche Reaktionen und verschiedene Forschungsergebnisse vorgestellt. Das vollständige pdf-Dokument kann unter http://www.cops.usdoj.gov/files/RIC/Publications/e080828167.pdf heruntergeladen werden.
 
 
8) Alternativen zur Zero-Tolerance-Politik gegenüber Marihuana-Konsumenten
In Folge der New Yorker Zero-Tolerance-Politik stieg die Anzahl der Festnahmen und in der Regel ein- bis zweitägiger Inhaftierungen im Zusammenhang mit Marihuanakonsum von 3.000 im Jahr 1994 auf über 50.000 im Jahr 2000 an. Eine Studie vergleicht die Wirksamkeit der gegenwärtigen Sanktionspraxis mit alternativen Reaktionsmodellen sowie mit einer Tolerierung des Marihuanakonsums und schlägt eine Reduzierung der staatlichen Eingriffsintensitäten vor. Die Empfehlungen beziehen sich auf die rechtlichen Möglichkeiten in den USA, wie z.B. „street warnings“ oder „desk appearance tickets“. Quelle: Johnson, B.D., Golub, A., Dunlap, E. u.a. (2008), An analysis of alternatives to New York City's current marijuana arrest and detention policy, in: Policing: An International Journal of Police Strategies & Management 31 (2), 226-250.
 
 
9) Afghanistan-Report 2009
Die NATO hat einen Bericht über Afghanistan veröffentlicht, der unter anderem Informationen über die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation des Landes enthält. http://www.nato.int/ebookshop/afghanistan_report_2009/afghanistan_report_2009_en.pdf
 
 
10) Täter-Opfer-Identität bei Gewaltdelikten
Eine aktuelle Studie geht der Frage nach, in welchem Ausmaß Täter und Opfer eine gemeinsame Schnittmenge bilden, inwiefern also von einer Täter-Opfer-Identität gesprochen werden kann. Mittels Daten aus einer Längsschnittstudie wurde untersucht, ob sich Täter und Opfer eindeutig voneinander abgrenzen lassen, ob diese Abgrenzung über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt und ob sich vorhersagen lässt, ob eine Person eher in Richtung Täter oder in Richtung Opfer tendiert. Quelle: Schreck, Christopher J; Stewart, Eric A.; Osgood, D. Wayne (2008), A Reappraisal or the Overlap of Violent Offenders and Victims, in: Criminology 46 (4) 2008, S. 871-906. http://www.ingentaconnect.com/content/bsc/crim/2008/00000046/00000004/art00002
 
 
11) Dokumentenplattform Scribd
Die Web-Anwendung Scribd bietet die Möglichkeit, Dokumente online zu stellen und der Öffentlichkeit oder einem eingeschränkten Personenkreis zugänglich zu machen. Unterstützt werden alle gängigen Formate (z.B. Microsoft Office, Open Office, PDF). Die Dateien werden automatisch so umgewandelt, dass sie unabhängig vom verwendeten Betriebssystem des Nutzers ihre Originaldarstellung behalten. Auch eine Einbindung der Dokumente in eigene Websites ist, vergleichbar mit der Videoplattform youtube, möglich. http://www.scribd.com/
 
 
12) Wohnsituation von Migranten in Deutschland
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat für ein „Working Paper“ mehrere Studien zum Thema „Wohnen und innerstädtische Segregation von Zuwanderern in Deutschland“ zusammengestellt. Dabei zeigt sich unter anderem, dass die Wohnbedingungen von Migranten meist schlechter als die von Nicht-Migranten sind, was sich auch in der subjektiven Bewertung widerspiegelt. Die persönliche Unzufriedenheit mit der Wohnsituation deutet darauf hin, dass Migranten ihren Lebensmittelpunkt mittlerweile in Deutschland sehen und daher auch entsprechende Anforderungen an den Wohnraum stellen. Im internationalen Vergleich ist die ethnische Segregation in Deutschland als niedrig zu bewerten ist. Zudem sind Zuwandererviertel in Deutschland im Regelfall multiethnisch und nicht nur durch eine Migrantengruppe geprägt. Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008) (Hrsg.), Wohnen und innerstädtische Segregation von Migranten in Deutschland, online verfügbar unter: http://www.bamf.de/cln_092/nn_442016/sid_8B0026FBA97FD3DEBEBE23FFB2D51CDA/nsc_true/SharedDocs/Anlagen/DE/Migration/Publikationen/Forschung/WorkingPapers/wp21-wohnen-innerstaedtische-segregation.html?__nnn=true
 
 
13) Zum Einsatz von Beschwerdekommissionen oder Ombudsmännern in der Polizei
Ein auf der Website des Polizei-Newsletter eingestellter Beitrag von Thomas Feltes geht der Frage nach, ob eine unabhängige Beschwerdekommission oder ein Ombudsmann hilfreich bei Beschwerden gegen die Polizei sein können. http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php
 
 
14) Forschungsbereich „Policing Islam“
Aaron Fichtelberg, Associate Professor of Criminal Justice an der University of Delaware (USA), sucht jemanden für einen Panel oder eine Arbeitsgruppe beim United Nations Crime Congress in Salvador de Bahia (Brasilien) im April 2010. Thema des Panels: "Policing Islam: How Police in Multiethnic Democracies Handle Muslim Citizens". Wer (als Wissenschaftler oder Praktiker) Interesse hat, kann die Email-Adresse von Aaron Fichtelberg bei der Redaktion des Polizei-Newsletters bzw. bei thomas.feltes@rub.de erfragen.
 
 
15) Teaching Tip: E-Learning Crossing Boarders. Policing (all around) the World
This project, developed by Ruhr-University Bochum and the University of Cape Town, provides a series of interdisciplinary, transnational presentations in English, given by national and international experts on policing and police science from across the world. The series of presentations may be used in classroom settings at universities and colleges or for distance learning. The presentations are videotaped and converted together with a Powerpoint-Presentation into an Adobe Presenter file. This file is stored at a server in Germany (Bochum University), and is available without any further software by anybody worldwide who has internet access. Some open-to-public examples of such presentations on policing may be found at the Second Annual Conference-website of the Scottish Institute or Policing Research (SIPR) at http://www.sipr.ac.uk/events/Outputs_Conference2008.php. Source: The Criminologist 34, 4, 2009, p. 15-16 http://www.asc41.com/Criminologist/2009/2009_July-Aug_Criminologist.pdf
 
 
16) Buchbesprechungen
Unter der Rubrik „Buchbesprechungen“ sind auf der Website des Polizei-Newsletters zwei neue Rezensionen eingestellt worden: Behr, Rafael, Cop Culture – Der Alltag des Gewaltmonopols, 2. Auflage Wiesbaden 2008, rezensiert von Nadine Diederich; Grassberger, Martin; Schmid, Harald, Todesermittlungen. Befundaufnahme & Spurensicherung. Ein praktischer Leitfaden für Polizei, Juristen und Ärzte, Wien 2009, rezensiert von Frank D. Stolt.