Polizei : Newsletter Nr. 221, August 2018                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Mord an Michele Kiesewetter
 2)   Symposion "25 Jahre Gewaltprävention im vereinten Deutschland“
 3)   Undokumentierte Migration erhöht nicht die Gewaltkriminalität
 4)   Anwendung von Polizeigewalt in Abhängigkeit vom Verdächtigen
 5)   Nochmal: Studie zu Gewalt durch Polizei
 6)   Warum stieg die Zahl der Tötungsdelikte in den USA?
 7)   Karte weltweiter Konflikte
 8)   Zusammenhang zwischen Community Policing und Militarisierung der Polizei?
 9)   Die menschlichen Kosten der Konflikte weltweit
10)  EU-Justizbarometer veröffentlicht
11)  Polizeiliche Lügen bei Vernehmungen …
12)  Arme und Reiche in deutschen Städten
13)  „Leapfrogging“ in Afrika
14)  Freiwilliger Polizeidienst in Schweden
15)  Zur abschreckenden Wirkung polizeilicher Maßnahmen
16)  Gezielte Abschreckungsmaßnahmen und Kriminalitätskontrolle
17)  Zusammenhänge zwischen nationalem Alkoholkonsum, Trinkverhalten und Mordraten …
18)  Kontrolle der Waffenkriminalität in Europa
 
1) Mord an Michele Kiesewetter
15 Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung des Mordes an der Polizistin sind in einem Dokument zusammengestellt, das noch einmal deutlich macht, wie unzureichend die Ermittlungen in (nicht nur diesem) Teil des NSU-Verfahrens waren. Der Beitrag enthält Links zu weiteren Dokumenten. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=536
 
 
2) Symposion "25 Jahre Gewaltprävention im vereinten Deutschland“
Die Ergebnisse mit Bestandsaufnahme und Perspektiven sowie Strategien zur Weiterentwicklung der Gewaltprävention in Deutschland" stehen als PDF zur Verfügung. http://gewalt-praevention.info/
 
 
3) Undokumentierte Migration erhöht nicht die Gewaltkriminalität
Eine Studie hat nachgewiesen, dass – zumindest in den USA - im Gegensatz zu allgemeinen Annahmen es keinen Zusammenhang gibt zwischen einem Anstieg der Gewaltkriminalität und undokumentierte Migration – eher sogar ist das Gegenteil der Fall: Die Gewaltkriminalität geht zurück. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1745-9125.12175?campaign=woletoc&
 
 
4) Anwendung von Polizeigewalt in Abhängigkeit vom Verdächtigen
Eine Studie in Australien hat die Anwendung von Polizeigewalt in über 200 Fällen genauer untersucht und kommt zu dem (überraschenden) Ergebnis, dass Beamte in Fällen mit aggressiven Verdächtigen oder solchen, die eine Waffe haben, eher weniger Gewalt anwenden. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10439463.2016.1232257
 
 
5) Nochmal: Studie zu Gewalt durch Polizei
In einer weiteren Studie wird das Zusammenspiel zwischen moralischer Unterstützung der Gewaltanwendung und provokativen Situationen um individuelle Unterschiede bei der Gewaltanwendung zu erklären. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10439463.2016.1199024
 
 
6) Warum stieg die Zahl der Tötungsdelikte in den USA?
Einige machen die Opioid-Epidemie dafür verantwortlich, andere den sog. „Fergusaon-Effekt“. Kriminologen sagen, dass beide Vermutungen nicht empirisch gesichert sind. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=537
 
 
7) Karte weltweiter Konflikte
Die Crisisgroup stellt auf ihrer website eine interaktive Karte weltweiter Konflikte zur Verfügung, zusätzlich zu den ständig aktualisierten Berichten über die Lage und Entwicklungen in einzelnen Ländern. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=538
 
 
8) Zusammenhang zwischen Community Policing und Militarisierung der Polizei?
Von einigen Wissenschaftler wird die These vertreten, dass diese beiden Polizeistrategien oftmals miteinander einhergehen. Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1461355718774581
 
 
9) Die menschlichen Kosten der Konflikte weltweit
Die Internationale Crisis Group hat festgestellt, dass aufgrund der weitweiten Konflikte und politischer Gewalt die Anzahl der vertriebenen Menschen Ende 2016 bei 65.6 Mio. lag, die größte Zahl seit dem 2. Weltkrieg. Im Jahr 2017 kamen 11.8 Mio. neu hinzu. An Hunger leiden weltweit 74 Mio. Menschen in 18 Ländern. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=539
 
 
10) EU-Justizbarometer veröffentlicht
Das Barometer ist ein vergleichendes Informationsinstrument, mit dem die EU und ihre Mitgliedstaaten durch die Bereitstellung objektiver, zuverlässiger und vergleichbarer Daten über Qualität, Unabhängigkeit und Effizienz der Justizsysteme in allen Mitgliedstaaten bei der Verbesserung der Leistungsfähigkeit der nationalen Justizsysteme unterstützt werden soll. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=540
 
 
11) Polizeiliche Lügen bei Vernehmungen …
… führen zu mehr falschen Geständnissen und damit ggf. dazu dass die Ermittlungen in die falsche Richtung laufen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=541
 
 
12) Arme und Reiche in deutschen Städten
… leben immer seltener Tür an Tür. Einer neuen Studie zufolge ist die Gettoisierung besonders deutlich in Ostdeutschland. Deutschlands Stadtbevölkerung ist immer weniger sozial durchmischt: Einer Untersuchung zufolge leben arme Menschen zunehmend konzentriert in bestimmten Wohnvierteln. Auch junge und alte Menschen sind immer seltener Nachbarn. Die Sozialforscher untersuchten 74 Städte im Zeitraum von 2005 bis 2014. https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2018/p18-001.pdf
 
 
13) „Leapfrogging“ in Afrika
In Berichten zur sozialen und ökonomischen Entwicklung in Afrika ist immer wieder von „leapfrogging“ die Rede. Ins Deutsche übersetzt wäre das „Bockspringen. Gemeint ist aber das Überspringen eines Schritts in gewöhnlichen „Standard“-Entwicklungsprozessen, so z.B. im Bereich Mobilfunk in Afrika. Hier hat Afrika den Schritt „Festnetz“ einfach überspringen und alle benutzen Mobilfunk und Handys. Der Begriff stammt aus den Wirtschaftswissenschaften. https://hbr.org/2012/02/africas-leapfrogging-opportuni
 
 
14) Freiwilliger Polizeidienst in Schweden
Die Autoren haben fast 10.000 Zeitungsartikel zum freiwilligen Polizeidienst in Schweden ausgewertet und kommen zu dem Ergebnis, dass es Vor- und Nachteile dieses Systems gibt, u.a. werden die Verantwortlichkeiten unklarer. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14043858.2018.1439635  
 
 
15) Zur abschreckenden Wirkung polizeilicher Maßnahmen
In einem umfangreichen Beitrag beschäftigen sich amerikanische Autoren mit der abschreckenden Wirkung des Risikos, bei einer Straftat erwischt zu werden und den Risiken und Nebenwirkungen von polizeilichen Maßnahmen, z.B. sog. „hot-spot-Operationen“. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1745-9125.12153
 
 
16) Gezielte Abschreckungsmaßnahmen und Kriminalitätskontrolle
Anhand einer Metaanalyse beschäftigen sich die Autoren mit der Frage, ob und wie gezielte polizeiliche Maßnahmen abschreckende Wirkung entfalten. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1745-9133.12353 s. dazu auch die website des Center for Evidence Based Policing http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=542
 
 
17) Zusammenhänge zwischen nationalem Alkoholkonsum, Trinkverhalten und Mordraten …
… untersucht ein Beitrag mit dem Ergebnis, dass die Mord- und Totschlagsraten in Ländern, in denen mehr Wein getrunken wird, signifikant niedriger sind. Generell geht aber höherer Alkoholkonsum pro Kopf mit höheren Viktimisierungsraten bei Tötungsdelikten einher. Begrünungsansätze werden mitgeliefert. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1477370817731042
 
 
18) Kontrolle der Waffenkriminalität in Europa
Mit dem Thema beschäftigt sich ein Beitrag der im Ergebnis für intensivere und nachhaltige Interventionen plädiert um Waffenbesitz zu reduzieren. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=543 In die gleiche Richtung geht ein Beitrag in der Zeitschrift „Recht und Politik“ https://ejournals.duncker-humblot.de/doi/abs/10.3790/rup.54.1.36