Polizei : Newsletter Nr. 239, März 2020                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Sanktionierung und Rückfälligkeit von Heranwachsenden
 2)   Flucht – aus der Verantwortung?
 3)   Mehr Polizei, weniger Kriminalität
 4)   Auswirkungen des „Nordischen Modells“ auf die Prostitution
 5)   Wirkungen von Polizeihaft
 6)   Gesichtserkennung – Risiken und Nebenwirkungen
 7)   Effektivität polizeilicher Maßnahmen
 8)   Verbrechensfurcht von Frauen – räumliche und individuelle Faktoren
 9)   Body Cams: Wirkungen unklar
10)  Nochmal Body Cams: Experimentelle Studie aus den USA
11)  Polizeibewerber vertrauenswürdiger als Gleichaltrige
12)  Zahl der Selbstmorde bei US-Polizisten steigt
13)  Zwillingsstudie zu Wirkungen von Justizkontakt
14)  Kriseninterventionsteams helfen beim polizeilichen Umgang mit psychisch Kranken
15)  “Cognitive Maps” zur Oprimierung von Polizeiarbeit
16)  Wie Amerika foltert
17)  Tagung des Netzwerks „Kriminologie in NRW“
18)  Symposium "Flucht als Sicherheitsproblem" in Bochum
 
1) Sanktionierung und Rückfälligkeit von Heranwachsenden
Eine Studie von Palmowski nimmt eine Bestandsaufnahme der strafrechtlichen Behandlung von Heranwachsenden vor. Die Anwendungsquote von Jugendstrafrecht fällt regional sehr unterschiedlich aus. Zudem hat sich das Jugendstrafrecht weder als durchweg härter noch als eindeutig milder als das Erwachsenenstrafrecht erwiesen, und die Richtigkeit der Austauschbarkeitshypothese von strafrechtlichen Reaktionen wird erneut bestätigt. Kostenloser download unter https://univerlag.uni-goettingen.de/handle/3/isbn-978-3-86395-396-6
 
 
2) Flucht – aus der Verantwortung?
Das Institut für Konfliktforschung richtet im April in Maria Laach seine 49. Tagung zu dem Themen Migration, Trauma, Ausländerrecht aus. Programm und Anmeldung hier: https://www.konfliktforscher.de/
 
 
3) Mehr Polizei, weniger Kriminalität
Eine Studie über den Zeitraum von 20 Jahren in 700 Gemeinden in Australien zeigt, dass der Anstieg der Zahl der Polizeibeamten dort mit einem Rückgang der Kriminalität einherging. Konkret: Ein Anstieg um 1% mehr Beamte geht einher mit 0.93% weniger Tötungsdelikte, 0.44% weniger Eigentumsdelikte, 0.63% weniger Einbrüche und 1.37% weniger KFZ-Diebstähle. https://utpjournals.press/doi/10.3138/cjccj.2018-0049
 
 
4) Auswirkungen des „Nordischen Modells“ auf die Prostitution
Ein Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages stellt die Ergebnisse verschiedener Studien nicht nur aus Skandinavien zusammen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=684
 
 
5) Wirkungen von Polizeihaft
Mit den individuellen Wirkungen von Polizeihaft beschäftigt sich ein Artikel der darstellt, dass diese Form der Inhaftierung deutlich mehr negative Effekte hat, als angenommen wird. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10439463.2019.1706506
 
 
6) Gesichtserkennung – Risiken und Nebenwirkungen
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) hat davor gewarnt, biometrische Gesichtserkennung im öffentlichen Raum einzusetzen und ein Verbot für den Einsatz in Europa gefordert. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=685
 
 
7) Effektivität polizeilicher Maßnahmen
Obwohl sehr viel Geld in polizeiliche Maßnahmen investiert wird, sind Studien zum tatsächlich nachweisbaren Effekt polizeilicher Arbeit eher selten. Eine aktuelle Studie aus Australien zeigt, dass eine Verstärkung polizeilicher Maßnahmen in verschiedenen Bereichen nur sehr geringen bis keinen Effekt hat.  http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=686
 
 
8) Verbrechensfurcht von Frauen – räumliche und individuelle Faktoren
Eine Studie aus Schweden beschäftigt sich mit den Faktoren, die Verbrechensfurcht speziell von Frauen beeinflussen. Im Ergebnis zeigt sich, dass bei den Frauen, die die größte Verbrechensfurcht haben, eher mangelnde soziale Kontakte dazu führen, dass bestimmte Gegenden gemieden werden, und nicht die Verbrechensfurcht selbst. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/01924036.2020.1719531
 
 
9) Body Cams: Wirkungen unklar
Obwohl bereits 2016 nahezu die Hälfte aller amerikanischen Polizeibehörden Bodycams einsetzten, konnten Studien einen signifikanten Effekt weder bei den polizeilichen Maßnahmen, noch beim Verhalten von Bürgern feststellen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=687
 
 
10) Nochmal Body Cams: Experimentelle Studie aus den USA
Eine Studie aus den USA beschäftigt sich mit dem sog. „spillover-effect“ beim experimentellen Design von Studien zur Wirksamkeit von Body Cams. https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11292-018-9344-4.pdf
 
 
11) Polizeibewerber vertrauenswürdiger als Gleichaltrige
Zudem intervenieren Polizeibewerber stärker bei unfairem Verhalten. Die Selbstselektion von Menschen, die wesentliche Kompetenzen für den Polizeiberuf mitbringen (Vertrauenswürdigkeit und der Wille mit eigenen Ressourcen zur Umsetzung von Normen beizutragen), scheint, so die Autoren, zu funktionieren. https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/mic.20170389
 
 
12) Zahl der Selbstmorde bei US-Polizisten steigt
Insgesamt begingen 2019 228 Polizeibeamte in den USA Selbstmord – mehr als durch Fremdeinwirkung oder durch Herzinfarkt ums Leben kamen. Die Zahlen steigen seit Jahren. https://bluehelp.org/
 
 
13) Zwillingsstudie zu Wirkungen von Justizkontakt
Mit der Frage, ob sich ein Kontakt mit Strafjustizbehörden positiv oder negativ auf zukünftiges Legalverhalten auswirkt, hat sich eine aufwändige Zwillingsstudie beschäftigt. Untersucht wurde der Lebensweg von 2.232 gleichgeschlechtlichen Zwillingen in England und Wales. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Kontakt mit der Justiz Delinquenz fördert. Die Autoren sehen dadurch die Labeling-Theorie bestätigt. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=688
 
 
14) Kriseninterventionsteams helfen beim polizeilichen Umgang mit psychisch Kranken
Solche Programme reduzieren die Verhaftungsraten von psychisch Kranken und erhöhen gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen durch entsprechende Gesundheitsbehörden geholfen wird. https://www.nami.org/get-involved/law-enforcement-and-mental-health
 
 
15) “Cognitive Maps” zur Oprimierung von Polizeiarbeit
In Ecuador wird versucht, die Qualität und Zuverlässlichkeit von statistischen Daten durch den Einsatz sog. „cognitive maps“ zu verbessern. Dabei handelt es sich um Zeichnungen von Zeugen und Opfern über deren Wahremung von gefährlichen Orten. Diese werden u.a. ethnografisch ausgewertet. Dadurch werden Kriminalitätsschwerpunkte und Viktimisierungsmuster besser erkannt. https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/2516606919841941
 
 
16) Wie Amerika foltert
Unter dem Titel „How America Tortures“ ist ein Bericht der Steton Hall University erschienen, der den Fall Subaida beschreibt. Zwar gibt es seit 2015 ein Gesetz, das die "verschärften Verhörmethoden" verbietet. Dennoch ist das Thema nach wie vor aktuell. Subaida verbrachte mehr als vier Jahre in "Black Sites". Seit Herbst 2006 sitzt der heute 48-Jährige im Gefangenenlager auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo im Osten Kubas. https://www.spiegel.de/media/media-45142.pdf
 
 
17) Tagung des Netzwerks „Kriminologie in NRW“
Vom 26. bis 27. März 2020 findet an der Universität Münster die 2. Tagung des Netzwerks statt. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Kriminologinnen und Kriminologen in Nordrhein-Westfalen und bündelt die vielfältigen Aktivitäten an Universitäten, Hochschulen und in der Praxis. Programm und Anmeldung hier: https://www.kriminologie-nrw.de/Start.html
 
 
18) Symposium "Flucht als Sicherheitsproblem" in Bochum
Zum Abschluss des Forschungsprojekts findet am 1. April 2020 an der Ruhr-Universität Bochum ein Symposium statt. In diesem Rahmen werden die Forschungsergebnisse des Projektes präsentiert. Für weitere Informationen und Anmeldung E-Mail an flucht-sicherheit@rub.de.