Nr. 311, September 2026
 
4) Aktuelle Studie des King’s College London: Die öffentliche Wahrnehmung von Kriminalität steht im Widerspruch zur Realität
In den Kontext der beiden vorangegangenen Meldungen passen die Ergebnisse einer aktuellen, auf Daten zweier im März 2026 durchgeführten Befragungswellen (n = 1.797 / n = 2.164) fußenden empirischen Studie des King’s College London („Wrongful convictions – misperceptions of crime“), die Teil einer neuen Forschungsreihe namens „Mistaken Britain“ ist. Die subjektive Kriminalitätswahrnehmung der Befragten differiert in fast allen Fragekategorien z. T. signifikant von der Kriminalitäts- bzw. Strafverfolgungsstatistik. Die Befragten überschätzen demnach um das Dreifache, wie viele Menschen Opfer von Verbrechen in England und Wales werden, befragt zu fünf Deliktsgruppen glauben die Menschen, dass das Straftatenaufkommen deutlich zugenommen habe und liegen damit nur beim Ladendiebstahl ungefähr richtig. Sie nehmen unzutreffend an, dass die wegen Mordes Verurteilten überwiegend einer ethnischen Minderheit angehören und dass „Ausländer“ ungefähr doppelt so häufig wegen schwerwiegender Straftaten zur Anklage gebracht und verurteilt werden, wie tatsächlich in der Strafverfolgungsstatistik ausgewiesen. Diese individuellen Fehleinschätzungen haben der Kriminovalenz widersprechende Folgen für das subjektive Sicherheitsempfinden der Befragten, sowohl innerhalb der kognitiv-rationalen Dimension, vor allem jedoch auf die konativ-handlungsbezogene Dimension des subjektiven Sicherheitsempfindens durch entsprechendes Vermeidungsverhalten. Die Befragten schätzten den Anteil derjenigen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit in ihrer Umgebung nicht mehr sicher fühlen, auf 60% (tatsächlich liegt der Anteil bei 39%). Die aktuellen Erkenntnisse für das UK decken sich im Kern mit ähnlichen, jedoch z. T. etwas älteren Studienergebnissen in Deutschland und Europa, neu ist jedoch der wachsende Einfluss derartiger fälschlicher Annahmen in Bezug auf die Kriminalitätswirklichkeit auf das Misstrauen ggü. dem Staat und dessen Sicherheitsbehörden - https://t1p.de/rn409