Nr. 312, Oktober 2026
 
5) Wenn gesellschaftliche Krisen zur Dauerbelastung werden. Studie zeigt wachsende psychische Belastungen bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte
Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter in Deutschland sind gegenüber gesellschaftlichen Krisen nicht dauerhaft widerstandsfähig. Eine neue Studie auf Basis des Deutschen Alterssurveys zeigt: Während frühere Krisen nur vorübergehende oder geringe Spuren im psychosozialen Wohlbefinden hinterließen, haben sich zentrale Wohlbefindensindikatoren seit 2021 deutlich verschlechtert. Untersucht wurden depressive Symptome, Lebenszufriedenheit und Einsamkeit bei Menschen ab 40 Jahren in Deutschland. Seit 2021 sank die Lebenszufriedenheit, die Einsamkeit nahm wieder zu, und depressive Symptome stiegen deutlich an. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Jahr 2024: Der Anstieg depressiver Symptome fiel hier stärker aus als in den Jahren zuvor. Die Studie „Psychological Trajectories in Germany Across a Decade of Societal Crises“ (veröffentlicht in den Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences) ordnet diese Entwicklung in den Kontext einer sogenannten „Polykrise“ ein. Dabei handelt es sich um die anhaltende Überlagerung mehrerer gesellschaftlicher Belastungen: der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Energieunsicherheit, Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und politische Polarisierung etc.. Solche Belastungen bleiben nicht nur auf Politik und Wirtschaft beschränkt. Sie können den Alltag vieler Menschen prägen, Zukunftssorgen verstärken und psychische wie soziale Bewältigungsressourcen beanspruchen - https://t1p.de/d5n7o